#56 Wohnungslosigkeit: Wenn Frauen ihr Zuhause verlieren

Shownotes

Redakteurin Ursel Nendzig spricht mit Barbara Unterlerchner über die (Un-)Sichtbarkeit von Wohnungslosigkeit bei Frauen. Denn viele Frauen sind versteckt wohnungslos, kommen übergangsweise bei Freund:innen oder Familienmitgliedern unter und leben unter dem ständigen Druck, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Unterlerchner leitet ein Frauenwohnzentrum der Caritas in Wien, das sich speziell an Frauen mit psychischen Problemen richtet.

Wer von (drohender) Wohnungslosigkeit betroffen ist oder Betroffenen helfen möchte, findet hier eine Liste aller Hilfsangebote in Österreich.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Man sieht im Stadtbild sehr selten die Frau auf der Parkbank.

00:00:05: Also, da wird wirklich sehr lang sehr viel unternommen von Frauen, um das zu vermeiden, weil es natürlich auch überhaupt ein sicherer Ort

00:00:12: ist.

00:00:12: Willkommen bei

00:00:13: Welt der Frauen, der starken Stimme für Frauen,

00:00:16: immer

00:00:17: am Puls der Zeit.

00:00:18: Welt der Frauen begleitet ihre Leserinnen seit nineteenhunderts sechsundvierzig als Magazin, digital auf www.weltderfrauen.at und jetzt auch zum Hören

00:00:29: als Podcast.

00:00:32: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Welte Frauen zum Hören.

00:00:37: Vielleicht hören Sie diese Folge unterwegs, vielleicht aber auch zu Hause bei einer gemütlichen Tasse Tee.

00:00:43: Einen solchen Rücksuchsort zu haben, einen Platz, an dem wir sein können, wie wir wollen, an dem wir zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen können.

00:00:51: Das ist für manche von uns leider nicht selbstverständlich.

00:00:55: Wer seine Wohnung verliert, verliert mehr als vier Wände und ein Dach.

00:00:59: Es geht dieser wichtige Raum verloren, der die Grundlage dafür ist, dass wir uns um alles andere kümmern können, um unsere Psyche, unsere physische Gesundheit, unsere sozialen Kontakte, unsere Versorgung.

00:01:11: Mein Name ist Ursel Lenzig.

00:01:13: Ich bin Redakteurin und Autorin bei Welt der Frauen und ich habe mich intensiv mit dem Thema Wohnungslosigkeit beschäftigt.

00:01:20: Ich hatte vor allem die Frage interessiert, ob und wie Wohnungslosigkeit bei Frauen anders ist.

00:01:26: Und da bin ich auf ein paar interessante Fakten gestoßen.

00:01:28: Allen voran die Tatsache, dass es kaum verlässliche Zahlen zur weiblicher Wohnungslosigkeit gibt.

00:01:35: So machen Frauen zwar rund ein Drittel aller registrierten Wohnungslosen aus, die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen.

00:01:42: Der Grund dafür ist die versteckte Wohnungslosigkeit.

00:01:45: Davon sind solche Frauen betroffen, die nicht direkt auf der Straße leben, sondern bei Freundinnen oder Familiengliedern auf der Couch schlafen zum Beispiel.

00:01:54: Niemand bekommt also mit, dass diese Frauen keine eigene Wohnung haben, dass sie dadurch unter enormem Stress und allen damit einhergehend Folgen leiden.

00:02:03: Viele Frauen schämen sich dafür, sich Börgnisationen Hilfe zu holen.

00:02:07: Auch das ist ein Faktor, der darauf einzahlt, dass sie offiziellen Zahlen kaum belastbar sind.

00:02:12: Über einige dieser Themen habe ich mit einer Frau gesprochen, die viel darüber sagen kann, wie es jenen Frauen geht, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind.

00:02:21: Barbara Unterlerner, die das Frauenwohnzentrum der Caritas im zweiten Bezirk in Wien betreut.

00:02:27: Ich habe sie dort vor Ort getroffen und mit ihr über ihre wichtige Arbeit gesprochen.

00:02:33: Mein Name ist Barbara Umterlerchner.

00:02:36: Ich bin die Einrichtungsleitung des Frauenwohnzentrums, der Caritas, Wien.

00:02:41: Wir sind da in der Springer Gasse V, das ist im zweiten Bezirk, in der Nähe von Praterstern.

00:02:47: Wir haben mehrere Angebote sozusagen in einem Haus vereint.

00:02:50: Wir sind ein Frauenwohnzentrum, wir haben hier ... Bewohnerinnen, die unterschiedlich lang, das ist so zu sagen offen bei uns, wie lang sie hier wohnen können.

00:03:01: Wir haben hier die Wohnung in ein paar Monaten und die Frau, die am längsten bei uns wohnt, wohnt seit über zwanzig Jahren hier.

00:03:06: Also seit Beginn, seit der Öffnung des Frauenwohnzentrums.

00:03:09: Wir haben auch das Frauenwohnzimmer hier.

00:03:12: Das ist eben unten im Erdgeschoss ein Tageszentrum für Frauen, das Firma die Woche geöffnet hat.

00:03:17: Und wir haben auch eine Nachtmotaufnahme.

00:03:21: Also vier Schlafplätze, die von Nacht zu Nacht vergeben wird für Frauen in Krisen.

00:03:27: Also die können in anderen Spuren finden.

00:03:29: Wie viele Bewohnerinnen habt ihr Platz?

00:03:31: Wie viele Zimmer sind

00:03:32: da?

00:03:33: Wir haben zweiunddreißig Zimmer- beziehungsweise Wohneinheiten.

00:03:37: Die sind ein bisschen unterschiedlich.

00:03:39: Es gibt wirklich so kleine Wohneinheiten, wo auch eine kleine... eine Küche drin ist und eine Dusche.

00:03:43: Und in Madenstockwerken sind es aber wirklich nur Zimmer mit Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftspädern.

00:03:49: Zweiunddreißig.

00:03:50: Wir sind objektgefördert.

00:03:52: Das heißt, wir können selber ein bisschen schunglieren, ob wir das Haus, also das Haus ist meistens voll.

00:03:58: Aber natürlich, manchmal muss mein Zimmer nach einem Auszug sanieren.

00:04:02: Und das bleibt dann ein paar Monate unbewohnt.

00:04:04: Aber prinzipiell sind es jetzt zweiunddreißig.

00:04:07: Was bietet ihr im Frauenwohnzimmer an?

00:04:10: im Frauenwohnzimmer.

00:04:11: Das ist eben ein Tageszentrum ausschließlich für Frauen.

00:04:15: Es ist ein Frauenschutzraum.

00:04:17: Das heißt, es ist wirklich Männer nicht erlaubt, reinzukommen.

00:04:21: Das ist wahnsinnig wichtig auch für unsere Zielgruppe, dass sie sich dort sozusagen an geschützten Rahmen auch befinden.

00:04:28: Das Angebot Dort ist eigentlich sich relativ voraussetzungslos aufzuhalten.

00:04:34: Also, die Frauen können dort essen, wenn sie nötigen.

00:04:36: Sie können einfach Zeit verbringen.

00:04:38: Sie können Kontakte knüpfen mit anderen Frauen.

00:04:40: Und es gibt auch ein sozialarbeiterisches Angebot nach Bedarf.

00:04:44: Da haben wir hinten ein Büro angehängt ans Tageszehrhorn, wo Beratungen zu unterschiedlichsten Themenbereichen stattfinden.

00:04:52: Was es auch gibt, ist die Möglichkeit, dass man Wäsche wascht, Frauenwohnzimmer.

00:04:58: Und auch einen Spinn sich mieten kann, um Sachen zu sichern.

00:05:02: Und wir haben auch Tagesling für Frauen, die sich auch dort kurz hinlegen.

00:05:10: Wenn jetzt eine Frau ins Frauenwohnzimmer kommt, schaut ihr dann auch, was ist eigentlich ihr Background?

00:05:16: Versucht ihr sie auch ... Manchmal dann dazu zu überreden oder dafür zu sorgen, dass irgendwo vielleicht einen festen Wohnraum bekommen kann.

00:05:25: Das kann Teil des sozialarbeiterischen Beratungs sein, wenn es Wohnthemen gibt.

00:05:30: Also wie gesagt, das Tageszentrum wird genutzt von den Bewohnerinnen, aber auch von Frauen aus ganz Wien, die herkommen.

00:05:37: Wir haben sehr viele Frauen, die einfach regelmäßig kommen.

00:05:41: Das heißt, sie sind dann auch unseren Mitarbeiterinnen gut bekannt.

00:05:44: Aber sie können, wenn es ihr Wunsch ist, sich auch anonym aufhalten bei uns.

00:05:50: Ganz wichtig ist, unser Konzept ist ein sehr, sehr niederschwelliges.

00:05:54: Das heißt, wir sind dann stark in einer beobachteten Rolle und gehen vielleicht im Vergleich zu anderen weniger proaktiv zu auf die Frauen, sondern lassen sie ankommen und sind bei Bedarf auch da.

00:06:11: Weil unsere Zielgruppe sind hauptsächlich psychischer Krank, die Frauen.

00:06:16: Da funktioniert der ganze Beziehungsaufbau ein bisschen anders, der ist oft längerfristig oder fasenhaft.

00:06:24: Und es ist sehr wichtig, dass die Frauen hier gut ankommen können, so wie sie sind.

00:06:29: Das war das Konzept.

00:06:30: sicher, die Frau, solange sich im Rahmen der Hausordnung ist.

00:06:34: Also es gibt natürlich gewisse Dinge, die gehen hier nicht, also Gewalt oder Bedrohlichkeiten, aber ansonsten muss die Frau jetzt nicht einer Beratung oder Betreuung zustimmen oder auch ihre Daten bekannt geben, um bei uns die Angebote in den Spruch zu nehmen.

00:06:50: Wie sieht Wohnungslosigkeit bei Frauen aus?

00:06:55: Ich würde gerne ein bisschen darüber sprechen, was ist denn so das Klischee?

00:06:59: und was ist die Realität, dass Klischee ist ja eine Parkbank verlottet mit einem, weiß ich nicht, einer Flasche bierende Hand.

00:07:11: Wie ist denn tatsächlich die Realität von Frauen in der Wohnungslosigkeit?

00:07:15: Bei Frauen, wohnungslosen Frauen spricht mehr sehr oft von verdeckter Wohnungslosigkeit.

00:07:20: Das heißt, es ist auch Sicht bei den Statistiken.

00:07:24: Frauen machen immer ungefähr ein Drittel aus in der Wohnungslosigkeit

00:07:27: für Statistik.

00:07:28: Das liegt auch daran, dass Frauen vielfach andere Strategien haben, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden, beziehungsweise suchen sie sich oft eher prekäre Wohnsituationen.

00:07:42: Sie tun sich schwerer, bei Hilfsysteme anzudocken

00:07:47: als

00:07:48: Männer.

00:07:49: Und das liegt aber auch daran, dass natürlich eben das Klischee oder dass das stereotype Wohnungslose oder Obdachloseperson ist männlich.

00:07:58: Und Die langjährige Erfahrung in der wohnungslosen Hilfe zeigt, dass es tatsächlich an die Frauen viel besser rankommst, wenn du wirklich ganz spezifische Angebote nur für Frauen

00:08:11: schaffst.

00:08:12: Wenn du jetzt zum Beispiel in den Tageszentrum reingehst, dass für alle offen ist, wird sehr stark auffallen, dass da zumeist ein starker Überhang an Männern ist.

00:08:22: Und Frauen nehmen solche Angebote dann einfach nicht wie Anspruch.

00:08:28: Man muss ein bisschen unterscheiden.

00:08:30: In Wien ist die wohnungslosen Hilfe recht komplex geregelt.

00:08:35: Es ist tatsächlich nochmal ein Unterschied zwischen den niederschwelligen Angeboten und den höherschwelligen Angeboten, gerade sowas wie Nordschlafstellen.

00:08:44: oder Krisenplätze, da ist die Anzahl oder der Prozentsatz der Frauen, die das auch suchen, tatsächlich sehr gering.

00:08:51: Man sieht im Stadtbild sehr selten die Frau auf der Parkbank.

00:08:55: Also, da wird wirklich sehr lang sehr viel unternommen von Frauen, um das zu vermeiden, weil es natürlich auch überhaupt kein sicherer Ort ist.

00:09:02: Genau so wie gemischte Notschlagstellen auf den Frauen, nicht das sicherer Ort empfunden wird.

00:09:09: Ist das auch ein Grund?

00:09:12: Was sind die Ursachen, die Hauptsache die Ursachen für Frauen, dass sie in die Wohnungslosigkeit kommen?

00:09:17: Ich greife jetzt nur kurz vorweg, kann es auch sein, dass sie oftmals aus Gewalt bzw.

00:09:22: pflüften müssen und so weiter und deswegen sich einfach nicht wohlfühlen in der Umgebung, wo viele Männer sind.

00:09:27: Ja, der Zusammenhang ist jetzt nicht empirisch nachzuweisen.

00:09:31: Es geht eher immer um Erfahrungswissen von der Praxis.

00:09:36: Gewaltbetroffenheit ist oft

00:09:38: ein Grund.

00:09:40: Prinzipiell ist es einfach so, dass Frauen, das ist nämlich das Paradoxum, auch wenn man Statistiken liest, dass zwar Frauen immer unterrepräsentiert sind in den wohnungslosen Zahlen, aber wenn man sich schaut, wie die Armutsbetroffenheit ist, sieht man ganz schnell, dass das Frauen einfach mehr betroffen sind als Männer.

00:09:59: Das heißt, die ganze gesellschaftlichen Rahmen bedingt die strukturelle Diskriminierung von Frauen wird dann einfach sozusagen mündet, dann einfach in diese Situation, dass Frauen einfach schon noch mal ... weniger verdienen, dass Frauen sozusagen durch Familien und Kinder haben oder auch Kinder aufzuchen, einfach auch im Erwerbsleben, wo sie benachteiligt sind.

00:10:26: Unsere Zielgruppe sind ja die psychisch erkrankten Frauen.

00:10:30: Eine Erkrankung, auch eine psychische, kann natürlich auch immer ein Grund sein, warum Frauen dann nicht mehr in der Lage sind, der werbstätig zu sein und dann irgendwann mal einfach in die Armut anrutschen.

00:10:43: dass sich das gegenseitig bedingeln kann.

00:10:44: Also Frauen werden schon auch krank durch ihre prekäre Lebenslage.

00:10:49: Es ist jetzt nicht so monokassal, das ist psychisch krank und deswegen in der Monungs- oder Obnachlosigkeit, sondern es kann auch umgekehrter folgen.

00:10:59: Also gerade unsere Frauen sind vielfach an Schizophrenie erkrankt und die Schizophrenie ... erfordert natürlich schon eine gewisse Predisposition, eine genetische Arbeit, das allein reicht nicht.

00:11:12: Das heißt, Lebensbedingungen spülen da eine starke Rolle, ob diese Krankheit sozusagen manifest wird.

00:11:20: Sind viele Frauen auch oder viele Mütter auch bei euch mit nach minderjährigen Kindern?

00:11:25: Nein, in unserer Einrichtung sind keine Kinder.

00:11:28: Okay, okay.

00:11:29: Am unter welchen Aspekten der Bundeslosigkeit leidenden Frauen am meisten?

00:11:36: Also es ist auf jeden Fall ein großes Schamthema, dass bei Frauen noch einmal mehr wirkt als bei Männern.

00:11:44: Auch Suchtkrankheiten sind viel Schambesetzler bei Frauen als bei Männern.

00:11:48: Das hat auch was damit zu tun, mit der Sozialisation.

00:11:55: belastend ist sicher dieser Nichtverhandensein des eigenen Wohnraums in Form eines Rückzugsorts und der Privatheit.

00:12:07: Das ist etwas, was für Frauen besonders schlimm ist.

00:12:12: Man weiß ja auch, dass Frauen, die auf der Straße leben, ein wahnsinniges Problem haben, auch mit hygienischen Zuständen.

00:12:19: Das ist bei Frauen ein bisschen anders.

00:12:22: Und weiß halt einfach auch ein Sicherheitsaspekt.

00:12:25: Die Frauen auf der Straße sind einfach nicht sicher.

00:12:29: Und sie sind auch in gewissen Einrichtungen entsichert.

00:12:31: Da sind Frauen einfach noch einmal anders betroffen.

00:12:34: Kinder, Entschuldigung, sind auch noch ein Thema.

00:12:37: Also bei uns im Haus haben ... Der Großteil der Frauen haben Kinder, auch wenn nicht immer Kontakt besteht.

00:12:43: Bei uns ist das Durchschnittsalter etwas höher, also wir haben wenige ganz junge Frauen, sondern ältere Frauen.

00:12:49: Das heißt, die Kinder sind meistens schon erwachsen und sehr oft besteht kein Kontakt.

00:12:53: aufgrund ihrer Krankung oder sonstigen Erlebnisse.

00:12:56: Aber auch das ist etwas, wo Frauen einfach noch einmal anders betroffen sind, auch mit dem Verlust sozusagen an familiärer Strukturen.

00:13:04: Das Rausfallen aus sozialen Netzwerken ist auch ein ganz großes Problem.

00:13:08: Prinzipiell von wohnungslosen Personen, aber bei Frauen ist es auch noch einmal spezifischer.

00:13:14: Aus familiären und freundes Kreisen meinst du jetzt?

00:13:19: Du hast vorhin erwähnt, dass bei Frauen die Wohnungslosigkeit oft verdeckt ist.

00:13:23: Könntest du da nochmal ein bisschen darauf eingehen,

00:13:26: in

00:13:26: wiefern?

00:13:27: Wie kaschieren Frauen?

00:13:28: Wie lange kaschieren Frauen?

00:13:30: Und warum glaubst du?

00:13:32: Also das interessiert mich jetzt einfach wirklich deine Meinung.

00:13:37: Warum machen das Frauen eher als Männer?

00:13:41: Naja, es sind auch tatsächlich die Möglichkeiten da wiederum für Frauen einfach vielleicht ein bisschen einfacher.

00:13:47: Frauen gehen sehr oft Zweckbeziehungen ein, um nicht auf der Straße oder in einer Einrichtung leben zu

00:13:55: müssen.

00:13:55: Die können natürlich dann sehr oft auch ausbeuterisch oder auch missbräuchlich sein, aber das ist einfach eine Möglichkeit, die für Frauen da ist und die sie auch tatsächlich in Betracht ziehen.

00:14:05: Das betrifft auch ganz oft Frauen mit Kindern.

00:14:10: dass ist sozusagen etwas, wo viel kaschiert wird, dann wird natürlich auch versucht bei Bekannten, um dazu kommen, also dieses prekäre Wohnen auf Zeit, ohne festen Wohnsitz, genauso wie ich einige Geschichten kenne von Frauen, die tatsächlich heimlich in der Arbeitsstelle schlafen oder in irgendwelchen ... an irgendwelchen Orten muss sie so lange wie möglich unentbleiben, bevor sie in eine Einrichtung gehen, also diese Schwelle Unterstützung anzunehmen.

00:14:42: und das hat natürlich ganz viel auch mit der Scham zu tun.

00:14:47: Gibt es so was wie Anzeichen?

00:14:50: Sagen wir, ich habe eine Kollegin oder Bekannte oder weiß ich nicht, im Supermarkt eine Kassierin und ich habe das Gefühl, irgendwas stimmt da nicht.

00:15:00: Vielleicht ist sie von Wohnungslosigkeit betroffen.

00:15:02: Gibt es Anzeichen?

00:15:05: Was wir stark beobachten, ist ein gewisser Rückzug, natürlich oft aus dem öffentlichen Leben, weil natürlich Armut schon ein System ist, Armut verändert soziale Teilhörer.

00:15:18: Auch kulturelle Teilhabe.

00:15:20: der Gesundheitszustand verschlechtert sich sehr häufig, weil die Wohnverhältnisse sozusagen sehr schlecht sind.

00:15:28: Dann geht das auf die Gesundheit mit der Zeit.

00:15:30: Man sagt ja, Armut macht krank, das ist tatsächlich so.

00:15:33: Auch das lässt sich statistisch dazu nachlesen.

00:15:37: Das heißt, Erschöpfung, wenn Frauen sehr stark erschöpft wirken.

00:15:44: Bis hin natürlich, irgendwann einmal kommt es dann sehr stark auch zu, zur Nachlässigung von gewissen Dingen, anfänglich bei sich selbst.

00:15:53: Wenn sozusagen ein gewisser Verfall zu beobachten ist.

00:15:56: Aber ich würde sagen, der Gesundheitszustand ist oft ein Alarm hinders, so wie ein gewisser Rückzug.

00:16:04: Man muss sich überlegen, wenn jemand armutsbetroffen ist, aber noch wohnt, dann darf halt wirklich nichts passieren.

00:16:12: Wenn dann sozusagen ... Also der Kühlschrank kaputt wird, ist nichts da, um das zu reparieren.

00:16:17: Weil das ganze Geld fürs Wohnen schon aufgebraucht ist?

00:16:20: Weil es keine Reserven gibt.

00:16:22: Das Ganze verursacht einen immensen Stress.

00:16:26: Und Stress wiederum ist auch für die psychische Gesundheit ein Riesenfaktor.

00:16:31: Ernährung ist auch etwas, was leidet, wenn Menschen von Armut betroffen sind.

00:16:36: Genauso wie man weiß, dass es halt auch Energiearmut besteht.

00:16:40: Es gibt einfach sehr viele Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Wohnung im Winter anzuhalten.

00:16:46: Was wiederum dann den Gesundheitszustand beeinträchtigt, genauso wie die psychische Gesundheit durch den Beständnis verursacht.

00:16:53: Das heißt, Armut als größter Risiko, Faktor oder als Folge von Armut kommen Frauen in die Wohnungslosigkeit.

00:17:01: War es abgesehen von dem, was ihr hier bietet, also sprich eine Anlaufstelle, ein Dach überm Kopf, sehr trotzdem nur eine Notunterkunft?

00:17:11: Das soll es nicht sein.

00:17:13: Wir haben ein sehr spezielles Konzept hier.

00:17:16: Unser Haus soll sozusagen eine Lücke schließen zwischen den höherschwelligen Angeboten, die es gibt in

00:17:23: der hauslosen

00:17:24: Hilfe.

00:17:24: Das sind diese stationär betreuten Wohneinrichtungen.

00:17:27: Da gibt es recht viele von unterschiedlichen Trägern.

00:17:31: Und

00:17:31: der Straße.

00:17:33: Unsere Einrichtung ist wirklich für Frauen, die sonst eigentlich nirgends hinpasst.

00:17:39: Aufgrund ihrer Erkrankung.

00:17:41: Bei uns können Frauen leben, die sich nicht behandeln, was im Psychiatrisch.

00:17:47: Weil sie zum Beispiel nicht Krankheitseins sind oder weil sie nicht wollen.

00:17:50: Und sofern es irgendwie im Rahmen ist, können sie bei uns auch so sein.

00:17:55: Sie haben Privatsphäre in ihren Zimmern oder hohen Einheiten.

00:17:59: Es ist sozusagen so niederschwellig

00:18:02: möglich,

00:18:03: weil unsere spezielle Zielgruppe wirklich am Sonntag ...um... in in höherschwelligen Angeboten nicht sein kann, so wie sie wollten müssen.

00:18:12: Nichts.

00:18:12: Die Voraussetzungen sind sehr gering.

00:18:14: Genau.

00:18:15: Deswegen ist das bei uns ein bisschen schwierig.

00:18:16: Und es soll schon mehr als ein Notwohnen sein, weil es ist ein offenes Konzept.

00:18:22: Also es gibt jetzt keine vorgegebenen Wohndauer.

00:18:25: Ja.

00:18:26: Und deswegen ist es auch sehr unterschiedlich.

00:18:28: Okay.

00:18:28: Aber prinzipiell soll es wirklich eine starke Upgrade, um trotzdem zu Notschlafstellen zu sein.

00:18:34: Okay.

00:18:34: Oder auch Chancenhäuser gibt es in ...

00:18:36: Wo man sozusagen ... sagen, am Abend kommt, aber in der Früh wieder gehen muss.

00:18:39: Unsere Frauen wohnen schon

00:18:41: wirklich

00:18:41: hier.

00:18:41: Und es wird natürlich auch während Wohnperspektiven erarbeitet, bei denen Frauen, wo es geht, da Wunsch besteht, dass sie dann irgendwann mal auch wieder.

00:18:50: zum Beispiel, also für die wenigsten kommt eine eigene Wohnung infrage, aber es ist nicht ausgeschlossen.

00:18:56: Aber oder eben ein anderes Angebot innerhalb der wohnungslosen Hilfe oder irgendwelche Wohngemeinschaften, die sozusagen auch eine gewisse Betreuung.

00:19:06: oder Beratung anbieten, mit mobilen Dienst, also zu uns ins Auskommen, z.B.

00:19:11: eine PSD-Ärzte, eine psychiatrische Krankenschwester.

00:19:14: Auch das funktioniert alles sehr niederschwellig, weil der Beziehungsaufbau relativ kompliziert ist.

00:19:20: Bei manchen Frauen sehr langwierig, manchmal auch da nicht funktioniert.

00:19:24: Und die Haltung bei uns ist ganz wichtig, dass man einfach sozusagen die Frauen auch sein lässt.

00:19:33: Mit ihrem Wunsch nach autonomierend Selbstbestimmung, so weit es halt geht.

00:19:37: Wir sind eben keine psychiatrische Einrichter, wo Leute dann halt irgendwie einfach auch gewisse Bedingungen erfüllen müssen.

00:19:44: Was würdest du sagen, was brauchen denn Frauen, damit sie vielleicht aus dieser präkären Situation wieder rauskommen, abgesehen von, ich sage jetzt einfach mal, einem Dach über dem Kopf?

00:19:55: Sie brauchen einfach eine gewisse Sicherheit.

00:20:00: Sie brauchen viel Privatheit und Selbstbestimmung und gleichzeitig brauchen sie ein Beziehungsangebot.

00:20:07: Also die meisten Frauen, also es gibt Frauen, die leben sehr zurückgezogen auch bei

00:20:11: uns,

00:20:12: aber viele Frauen brauchen schon auch soziale Kontakte, die sie halt im Privaten sehr wenig haben, weil es meistens sehr viel Beziehungsabbrüche gegeben hat.

00:20:26: Und sie brauchen eigentlich ein System, das relativ flexibel auf ihre Bedarfe abgestimmt ist.

00:20:33: Finanzielle Ressourcen brauchen sie natürlich auch.

00:20:37: In unserem Haus ist es so, dass der Großteil oder nahezu alle Frauen nicht erwerbsfähig ist und ihrer Erkrankung.

00:20:47: Und damit fallen sie natürlich auch finanziell, sind sie natürlich auch in einer prekären Lage.

00:20:53: Das heißt, die meisten sind ein Leben von der Minnes-Sicherung.

00:20:58: Wie man wissen, die Minnes-Sicherung wird eher, also ist es sozusagen eigentlich unter der Ammungsgefährdungsschwelle in der Finanzierung.

00:21:09: Das heißt, jede Politische Entscheidungen, die da in Richtung Kürzung oder Sanktionierung getrifft, unsere Frauen, ganz speziell bei sie, einfach tatsächlich nicht, da wir absfähig sind.

00:21:21: Und eine Krankheit ist prinzipiell.

00:21:23: Nicht drinnen, eine Anfristige.

00:21:25: Das gilt jetzt nicht nur für psychische Erkrankungen, das habe ich auch in anderen Bereichen, weil er lebt, dass ganz oft dieser Bruch in einer Biografie eine Krankheit verursacht.

00:21:35: Und das tatsächlich eine massive Armutsgefährdung für ganz viele Menschen bedeutet, die nicht.

00:21:41: familiär sehr stark abgesichert sind.

00:21:43: Das finde ich vom Prinzip her unerträglich.

00:21:46: Weil das tatsächlich einfach ... Ja, also im wohnungslosen Bereich und auch im Atemnutzbereich wird sehr oft die Schuldfrage irgendwie mit ins Treffen geführt.

00:21:56: Wir werden doch sehr stark von einem Leistungsgelanken getragen, werden kulturell.

00:22:01: Das heißt, diese sozusagen, die suchen sich da selber aus, die sind selber schuld und so weiter.

00:22:08: Wenn man in den Bereichen arbeiten sieht, ist was ganz stark systemisches und es hält einfach gewisse Dinge nicht aus.

00:22:14: Also viele Menschen, Frauen, dem Speziellen, werden nach Scheidungen und Trennungen oft fallend in eine Armutsspirale.

00:22:22: Weil wir kennen das alle in Wien.

00:22:25: wenn man sozusagen nicht zurangt hat, zu gewissen Gefährdern, umfamines Wohnen einfach umfassbar teuer.

00:22:32: Eine erlernerziehende Frau mit Kindern, die jetzt kein hohes Einkommen hat und sich Unterstützung zu kaufen kann oder eine Familie hat, die sie ständig unterstützt, wird immer kämpfen müssen.

00:22:48: Dieser Kampf bedeutet eben Stress, Stress bedeutet ... Gesundheitsgefährdung und einfach eine sehr geringe Lebensqualität.

00:22:57: Würdest du sagen, dass potenziell jeder von uns obdachlos werden könnte?

00:23:02: Ich sag zu wohnungslos, oder ist es kein Problem, obdachlos zu sagen?

00:23:07: Es sind zu Begrifflichkeiten, also wohnungslos.

00:23:12: Umfasst mehr.

00:23:13: Ja.

00:23:14: Wohnungslos sind zum Beispiel auch Menschen, die in Institutionen leben und Einrichtungen leben.

00:23:20: Frauen in Frauenhäusern, wenn das Wohnungslos ist und obdachlos bedeutet.

00:23:24: In Englisch ist das eindeutiger.

00:23:26: Da nennt sich das Rough Sleeping.

00:23:28: Das heißt, das sind wirklich die Menschen, die auf der Straße oder nur in diesen Notschlaf stellen.

00:23:32: Das müssen wir früh wieder rausgeben.

00:23:37: Wohnungslos ... Wollosigkeit umfasst einfach viel mehr.

00:23:41: Und ist aber tatsächlich auch etwas, wo sozusagen ... muss Angebote geben, muss auch, dass wir überhaupt in Strukturen kommen.

00:23:51: Ein ganz wichtiger Punkt ist noch, den habe ich jetzt noch nicht erwähnt, es gibt einfach strukturelle Benachteiligungen, die auch noch einmal wahrscheinlicher machen, dass man urungslos bzw.

00:24:00: obdachlos wird.

00:24:01: Und das ist abgesehen vom Geschlecht, was wir schon erläutert haben, sind auch aufenthaltsrechtliche.

00:24:09: Okay, ja.

00:24:12: Damit kämpfen sehr viele.

00:24:16: Das sind vor allem bei uns in unserem Bereich sehr stark Frauen, die aus osteuropäischen Staaten kommen, die oft jahrelang Verkehr irgendwo arbeiten oder unangemeldet arbeiten, dann plötzlich passiert was.

00:24:31: Arbeitsunfallkrankheit.

00:24:34: Und dann verlieren sie hier ihre Aufenthaltsbescheidung.

00:24:38: Vielleicht nicht ausreichende Versicherungszeiten, haben aber auch keinen Anknüpfungspunkt beim Hemmatland.

00:24:43: Und dann wird es wirklich

00:24:45: schwierig.

00:24:46: Das heißt, bei euch sind ganz viele Frauen, die mehrfach Belastung vor Belastung mitbringen, also Frau sein.

00:24:55: keine Aufennachtstitel haben, psychische Erkrankungen?

00:24:58: Zumindest

00:24:58: keinen oder Rausfallen aus dem Aufenthaltssitz.

00:25:01: Also die Frauen zahlen bei uns auch für ihre Sisyphone nicht gerade.

00:25:04: Das sind alle Nutzungssindgelder, monatlich.

00:25:10: Und das heißt, sie müssen schon existenziell versorgt sein.

00:25:15: Es gibt andere Angebote.

00:25:17: viel kürzere wegen aufgrund von aufenthaltsrechtlichen Schranken wird es halt auch nicht gefördert.

00:25:22: Die sind dann immer meistens nur für drei Monate, wo auch Menschen, die überhaupt keine Ansprüche auf mindestens sichere Monaten aufenthalt oder auch Zugang zu gemeindem Wohnungen oder so haben.

00:25:31: Aber bei uns tatsächlich, die Frauen haben das schon, aber natürlich kann es sein, dass sie in ihrer Biografie einfach zu wenig Versicherungszeiten haben.

00:25:42: Es mir fällt jetzt gerade konkret ein Beispiel ein, eine Frau, die bei uns lebt, die ist immer aus einem osteuropäischen Land, die ist seit zwanzig Jahren in Österreich, hat selbstständig als Pflegerin gearbeitet, ist dann eben psychisch so stark erkrankt oder immer mehr, dass sie in Panama nicht mehr arbeitsfähig war.

00:26:01: Da ist jetzt so, dass das jetzt nach vielen Jahren einfach ... als ein Problem gibt, den Daueraufenthalt für sie zu erhalten, weil die Einwanderungsbehörde sagt, sie hat viel zu wenig Versicherungszeiten.

00:26:15: Und das ist eben nicht gewünscht, dass man sozusagen in ein Sozialsystem einwandert von anderen europäischen Staaten, auch wenn es die Freizügigkeit mit des Niederlassungsrecht gibt.

00:26:23: Und genau, und die allein der Gedanke, dass diese Frau jetzt irgendwie eventuell in ihr ursprüngliches Heimatland, wo sie überhaupt Keine Art von Netzwerk, was

00:26:33: sicher und schwerst

00:26:35: krank ist.

00:26:37: Aber das sind Situationen, die einfach passieren können.

00:26:41: Und da eine Perspektive zu schaffen für so eine Frau, die so schwer krank ist, aufgrund solchen strukturellen Hindernissen und Barrieren, ist ja sehr, sehr schwierig.

00:26:53: Und diese Frauen sind schon unsichtbar.

00:26:56: Also ich merke einfach, wenn man das berichtet oder erzählt, wird schnell klar, dass das nicht etwas ist, was so stark im Bewusstsein ist, der Gesellschaft.

00:27:07: Und Frauen sind halt einfach auch diesbezüglich wahnsinnig wunderbar.

00:27:13: Was bräuchte es denn aus seiner Sicht strukturell, politisch, um Frauen vor Wohnungslosigkeit zu schützen?

00:27:22: Also das ist ja gar nicht passiert.

00:27:23: Das ist erst gar nicht passiert.

00:27:26: Das ist eine große Frage, die schwer zu beantworten ist.

00:27:30: Aber natürlich, ich fange jetzt mal ganz bei der Basis an.

00:27:34: Österreich ist, glaube ich, im Europa-Vergleich mit dem Gender Gap, glaube ich, am vorvorletzter Stelle.

00:27:41: Um

00:27:44: schlechten Ende.

00:27:45: Am ganz um schlechten Ende.

00:27:48: Das ist eine strukturelle Diskriminierung, die natürlich auf den Einzelfall betroffen einfach diese Auswirkungen hat.

00:27:56: Das Nächste ist, dass Frauen immer noch viel mehr für die Kindererziehung und auch so.

00:28:05: das beeinträchtigt einerseits die Erwerbstätigkeit, aber man macht sie auch noch viel mehr verabler.

00:28:11: dass Frauen sich trotzdem immer noch traditionell gesehen mehr verantworten haben für die Familie und Kinder.

00:28:17: Damit sind sie einfach immer in einer schlechteren Position, was existenzielle Absicherung betrifft.

00:28:24: Ganz schwierig wird es natürlich, wenn sie nach ein Teil einer sogenannten Rangruppe sind, sprich wenn sie sozusagen zum Beispiel aufenthaltsrechtlich nicht beigestellt sind.

00:28:35: Es gibt sehr viele Frauen, deren Aufenthaltstitel am Mann hängt, wenn sie als Familienangehöriger hier einen Aufenthaltstitel haben und damit schon einmal in einer starke Abhängigkeit kommen.

00:28:50: Und dann ist es tatsächlich so, dass bei der Gestaltung des öffentlichen Raum einfach auch Frauen nach wie vor keine Priorität haben.

00:28:58: Und einfach auch keine sicheren Orte.

00:29:01: für Frauen sind und auch das macht, was mit der Teilhabe und den Mitspracherecht.

00:29:06: Ja, aber prinzipiell Wohnungslosigkeit hängt natürlich schon ganz stark auch mit mit mit finanziellen Ressourcen zu sein.

00:29:13: Und solange das nicht ausgedügt ist, sind sie einfach sehr stark gefährdet.

00:29:20: Mich würde noch abschließend interessieren, was das denn mit dir gemacht hat in deiner eigenen Biografie oder in deiner eigenen Sicht.

00:29:28: auf die Stadt, auf die Welt, aufs Leben, dass du dich so einsetzt, ja auch beruflich.

00:29:33: Und ich glaube, da kann man sich emotionale nicht wirklich rausnehmen.

00:29:37: Was hat das alles mit dir gemacht, persönlich?

00:29:41: Es verändert natürlich schon sehr stark den Blick auf viele Dinge.

00:29:46: Also, ich habe gemerkt, dass ich halt bei der Arbeit mit vulneramen Zielupen an sich immer wieder zum Ergebnis gekommen bin, dass es egal in welchem Bereich ich gearbeitet habe, Frauen trotzdem eine andere Betroffenheit haben als Männer.

00:30:02: Und das bei mir einfach immer stärker der Wunsch gekommen ist, mit tatsächlich sehr stark zu fokussieren.

00:30:12: auf Frauen, auf innerarbeiter Frauen.

00:30:14: Und wenn es dann zu Thema Arbeit und Wohnungslosigkeit gibt, dann merkt man auch, dass das einfach noch immer Frauen nicht in die ersten Personengruppe sind, die man denkt.

00:30:26: Das Arm und überhaupt ein Thema ist.

00:30:29: Vor allem, wenn es Frauen betrifft, auch wenn man sich das geschichtlich anschaut, das einfach auch nicht groß interessiert.

00:30:35: Es gibt einfach ... keine große Lobby.

00:30:37: Ein bisschen anders ist es jetzt schon im Gewaltschutz.

00:30:40: Da werden Frauen schon ganz stark gesehen als eine warbe Zielgruppe.

00:30:46: Aber dass auch da Armut immer sehr häufiger ein Thema ist, dass auch zum Beispiel Gewaltschutz sehr erschwert wird.

00:30:53: Natürlich auch aus solchen Verhältnissen rauszukommen, aus Gewaltsperalen, aus Gewaltverhältnissen rauszukommen, ist viel, viel schwieriger, wenn die Existenz die ganze Zeit bedroht ist.

00:31:07: Natürlich sieht man sehr stark auch deine eigenen unfassbaren Privilegien im Vergleich zu den Menschen, mit denen man arbeitet.

00:31:17: Und auch die Sicht auf das System, also diese strukturelle Diskriminierung, die Frauen allein schon aufgrund des Geschlechts, aber meistens eben aufgrund von Mehrfachkripplerinnen ausgesetzt sind.

00:31:30: Das ist etwas, was mir früher nicht so stark bewusst war als jetzt.

00:31:36: Und irgendwie, wenn man da einmal sozusagen begonnen hat mit der Arbeit, tut man sich sehr schwer, auch da wieder einen anderen Fokus zu finden, weil da einfach auch noch so ein langer Weg ist, wenn überhaupt, bis das in irgendeiner Form sich ändert.

00:31:54: Also das ändert sich sehr langsam, genau.

00:31:57: Also ich bewohn das einfach immer wieder.

00:31:59: Es kostet viel Kraft, stell ich mir vor, weil man nicht sehr selber immer auch angefasst und betroffen.

00:32:05: Es lässt ja nicht kalt, sonst wär's nicht dem Job.

00:32:09: Na, es soll die einen überhaupt nicht mithalten lassen.

00:32:13: Ohne eine gewisse Betroffenheit.

00:32:14: Dabei hat man die Motivation nicht.

00:32:16: Gleichzeitig braucht es auch immer das professionelle Ansatz.

00:32:21: Aber was sehr stark antreibt, ist sicher ein ganz starker Solidaritätsgedanke.

00:32:27: Zwischen Frauen.

00:32:29: Das ist auch etwas, was hier in unserem Team ganz stark gelebt

00:32:32: wird.

00:32:33: Wir arbeiten auch nur Frauen.

00:32:35: Ja,

00:32:36: allein schon aus.

00:32:38: Es wäre wahrscheinlich für die Betroffene noch gar nicht so einfach.

00:32:42: Ja, tatsächlich.

00:32:43: Es ist einfach etwas, auch noch einmal um die Privatheit und den Zugang zu erleichtern.

00:32:51: Ist es ein reines Frauenteam.

00:32:54: Und das macht auch was, weil eben wie gesagt, diese starke, solidarische Denken zwischen Frauen, was so wichtig ist, ist schon ein riesengroßer Antrieb und auch etwas, was einfach aktiv gelebt werden muss.

00:33:06: Ich glaube, das ist auch eine gute Möglichkeit, um Dinge auch längerfristig zu verändern.

00:33:12: Und das ist auch sehr mitreißend und ich bin da ganz froh, da ein Teil davon zu sein, auf jeden Fall.

00:33:17: Vielen Dank, das war ein super schöner Schluss.

00:33:19: Danke schön.

00:33:20: Wenn Sie dieses Thema interessiert hat und wenn Sie mehr über Wohnungslosigkeit bei Frauen erfahren möchten, lesen Sie doch gerne in meinen Text mit dem Titel Wohnungslos und Unsichtbarein.

00:33:31: Er ist in der Jänner-Februar-Ausgabe, der Welt der Frauen erschienen, und steht und außerdem online zur Verfügung.

00:33:39: Ich sage vielen Dank für Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal.

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